Eine 5.Jahreszeit?

Vorüberlegungen

Eine fünfte Jahreszeit, wirst du dich vielleicht fragen, wann und was ist das denn?!

Nun, nach dem Winterschlaf und vor der Frühjahrsmüdigkeit kennt der Kölner den Karneval. Nee, nicht "ach so!" denken. Du verstehst es noch nicht!

Der geborene Kölner  erlebt  das Warten auf dieses Ereignis mit einem Vorgefühl, welches mit dem vor Weihnachten oder dem auf einen lang ersehnten Urlaub zu vergleichen ist.

Es werden Kisten und Koffer aus dem Keller oder vom Dachboden geholt und die "Festtagskleidung" gesichtet. Dann werden Kostüm- Häufchen gebildet und mit den passenden Retro-Accessoires versehen. Der Drogerie-Markt wird gestürmt für die neuesten Schminkutensilien, Haarspray farbig, mit ohne Glitzer.

Essensvorräte werden gebunkert, Käsewürfel geschnitten, fettgebackene Berliner, Krapfen und Muzemandeln für unterwegs gekauft. Auch Flachmänner und Piccolos erfahren ihre Renaissance.

Das höreigene Musiklevel wird auf volkstümlich und brauchtumstauglich umgeschaltet.Der Körper auf seetaugliches Schwanken - oder auch Schunkeln genannt - eingestellt. Kinder und Haustiere anderweitig untergebracht.

Nach all diesen Vorbereitungen ist es dann soweit! Der Ausnahmezustand in Stadt und Land beginnt. Ab Donnerstag 11.11Uhr - Weiberfastnacht - läuft alles anders.

Du hast dann nur noch zwei Möglichkeiten zu leben : mitlaufen oder verschwinden. Der Straßenkarneval hat begonnen.

Die Flüchtinge verlassen dann ihre Büros und laufen im Zickzack angewidert um das bunt gewürfelte, singende Volk und irren über Umwege durch gesperrte Straßen nach Hause - dort bleiben sie versteckt bis Aschermittwoch!

Vorbereitungen

Zu letzterer Spezies gehört die Gemeinschaft des Friedrich-Wilhelm-Gymnasiums aber ganz und gar nicht!!

Kaum haben die Eltern ihre Kinder hier eingeschult, sammeln sie sich plötzlich abendlich, grübeln über ein Karnevalsmotto, ein passendes Kostüm, einen schön gestalteten Baggagewagen nach!Und das vor Weihnachten!

Haben sie dann ihre Ideen sortiert, freuen sie sich und begeistern ihre Kinder in Scharen mitzumachen!

 

Anmeldungen werden abgegeben, das Startgeld wird bezahlt.

Shoppen und Wanderungen werden ab nun unter dem Aspekt: Wir trainieren für den Karnevalszug! stetig bis auf 6 km oder drei Stunden verlängert.

 

In drei abendlichen Zusammenkünften dürfen die Eltern auch mal ins Lehrerzimmer!

Dort werden unter der Kostümleiterin Frau Özdemir die Scheren gewetzt und 160m Stoff von fleißigen Händen zugeschnitten.

Die Rechnungen nimmt der Schulleiter Dr.Jansen geduldig entgegen und leitet sie gleich an den gütigen Fördervereinspräsidenten Dr.Becher weiter.

 

Inzwischen werkeln still und leise die fleißigen Hobby-Handwerksmeister Heinen, Kietzmann, Schröder und ihre heimlichen Helfershelfer am Aufbau des Kamellewagens!

Damit nicht genug!

Bei einer großen Versammlung kommen alle zusammen. In langen Schlangen stehen sie an und erwerben von der zu rühmenden Kamellenqueen Frau Anschütz selbstgefertigte Kamellebons am Bande!

Die großartige Leistung eines jeden besteht dann darin, sich an den Aufenthaltsort dieser Bons zu erinnern, wenn sie erst nach Wochen benötigt werden!

Alle ziehen dann mit reicher Beute, in Gestalt eines gefüllten Plastiksacks, glückselig nach Hause.

Der Festtag

Da wir eben keine Karnevalsflüchtlinge sind, sind wir entschlossen uns als Helden feiern zu lassen!

Als "Uns FWG Heroes", die mit dem Schulgebäude beinah eingebrochen, aber mutig wieder rausgekrochen sind und mit falschen Versprechungen wieder heimgeholt werden sollten. 120 Mann und Mädchen stark sind wir angetreten!

60 waren erlaubt. Wie oft wurd nicht gesagt!

Am Karolingerring wartete bereits das Schmuckstückchen: unser Kamellewagen mit einem fliegenden Super-Jansen, einer Bibi Giersberg, die alles vom Ritt auf dem Besenstil deligiert und Dagobert Becher, der Hüter der Fördergelder und Erfinder der Überzeugungsfrage an die Eltern: Treten Sie dem Förderverein bei.. Ja oder Ja? Die Erbauer erfreuten sich an den überraschten Gesichter, die Kinder an dem Riesensuppentopf, den Frau Krause mit ihren Helfern dorthin geschafft hatte, um die ersten hungrigen Mäuler zu stopfen!

Dann wurde der Kamellewagen erklommen und Herr Bausch übte sich gekonnt im Verteilen des Wurfmaterials!

Die Kamellebeutel waren prall gefüllt, die Sonne wärmte uns am blitzblauen Himmel - und dann setzte Herr Dillmann die Matrix-Sonnenbrille auf und den Wagen in Gang!

Die folgenden drei Stunden vergingen wie im Flug! Alle Kinder haben liebevoll ihre Kamelle vergeben, an die Kleinen am Straßenrand und die einsamen Omis im ersten Stock beworfen! Für Nachschub sorgten eifrige Mütter und Väter in weißer Montur, als Kamellekurriere und Wagenengel.

Es kam viel Freude auf und alle haben sehr tapfer durchgehalten!

Die Rückkehr zur Schule war wie der Einzug der Gladiatoren! Ringelhemdchen, Piraten und Sahnetörtchen jubelten uns zu!

Frau von Petersenn hatte fürstlich in rot-weiss die Räumlichkeiten geschmückt. Wie festlich alles aussah!

Pater Freitag stand bereits allmächtig hinter dem Thresen und ergoß die Getränke in unsere durstigen Kehlen. Herr Helmich heizte als DJ kräftig ein und Herr Kilic hatte als osmanischer Herrscher sein Team zu kulinarischen Spitzenleistungen angetrieben. So viel konnten wir gar nicht aufessen!

Es gab abschließend eine kleine Dankesrunde ums Schmuckstückchen im Schulhof, vom Wagenbauteam und Super-Jansen, Bibi Giersberg und Dagobert Becher - wobei gar nicht klar wurde, wer sich eigentlich bei wem bedanken wollte! So hat jeder jedem gedankt und sich verabschiedet. War doch nett.

Ja,und an alledem konnte ich teilhaben!

Habe mich in der Zochleitung versucht, aber nur weil meine Kollegin Dr. Giersberg mir das zugetraut hat! Und der Direktor Dr. Jansen das so unterstützt hat!

Ich bedanke mich herzlich bei euch allen für eure Unterstützung!

Das macht eben meine kölsche Heimat aus!

Jetzt verstehst du auch, woher die fünfte Jahreszeit kommt:

von innen, aus dem Herzen!

 

Alaaf in die Welt!

Gruß

Brigitte Meurer